Unter Kontrastmittel zeigte sich dann das vollkommene Ausmaß - mein Problem...
Das Kathederende wurde oberhalb der Herzklappe positioniert und das Kontrastmittel wurde in dem Moment injiziert als das Herz schlug und das Blut eigentlich in den Körper pumpen sollte um dort die Organe zu versorgen.
Das Blut strömte aus dem Herzen heraus und wie das Herz dann eigentlich die nächste Blutladung aus dem Vorhof in die Herzkammer holen wollte lief jedoch das gerade ausgepumpte Blut rückwärts in die Herzkammer. Dank des Kontrastmittels konnte dieser Vorgang sehr gut erkannt werden. Es lief alles Kontrastmittel ins Herz. Und dann brauchte das Herz acht bis zehn Schläge bis kein Kontrastmittel mehr in der Herzkammer war... das entsprach einem Blutrückfluss von über 80%.
Dieser Blutrückfluss - der Mediziner sagt "Insuffizienz" dazu - war so hoch, dafür gab es eigentlich keine Einteilung mehr, denn auch die höchste Grad-Einteilung (I-IV) war hier nicht mehr zutreffend. 80% Rückfluss und mehr bedeutet im Umkehrschluss, dass dem Körper weniger als 20% zur Verfügung stand um den Kreislauf aufrecht zu halten und die Organe umfassend zu versorgen. Und das in einem Ruhezustand denn ich lag ja während der Untersuchung still auf dem Rücken.
Eigentlich hätte ich nie soweit kommen dürfen... man konnte hier durchaus schon von einem Wunder sprechen. Und man sprach mit mir auch ganz offen - "Es tut mir Leid aber wir können Sie erst wieder entlassen, wenn Sie operiert wurden.", sagte der Arzt leise mit verhaltener Stimme. Ich sah ihn an und sagte nur noch:"Dann sehen Sie mal zu, dass Sie 'nen Termin klar machen - lieber gestern als morgen!" Eine Reaktion, mit der der Arzt nicht gerade rechnete. Aber mir war klar - endlich wird mir geglaubt und geholfen - es konnte also nur noch besser werden.
Ab diesem Augenblick durfte ich nichts mehr machen - ich durfte noch nicht einmal mehr allein auf Toilette. Der Zustand der Insuffizienz war so hoch, die Ärzte waren der Ansicht, dass die kleinste Belastung jederzeit die letzte Belastung sein könnte....
6 Tage später, am Dienstag, 16. Oktober 2007 begann dann ein neues Leben für mich - mir wurde eine künstliche Herzklappe implantiert. Bereits am nächsten Tag stand die Physiotherapeutin am Bett und zeigte mir, wie ich mich im Bett aufrichten kann ohne, dass Scherkräfte auf das Brustbein einwirken, Noch einen Tag später durfte ich bereits aufstehen. Samstags stieg ich mit Hilfe der Therapeutin die ersten Treppenstufen. Am 10. Tag nach der Operation wurde ich nach Hause entlassen. Dort wartete ich dann noch eineinhalb Wochen bis es dann in de Anschlussheilbehandlung ging. Drei Wochen Reha, anschließend zwei Wochen noch zu Hause krank geschrieben - in dieser Zeit organisierten wir die Wiedereingliederung über das Hamburger Modell - womit ich dann im Dezember wieder die ersten Stunden arbeiten ging. Am 15. Januar 2008 war ich dann bereits wieder meinen ersten Arbeitstag in Vollzeit arbeiten.
Die Ärzte sagten ganz klar, dass ich soweit gekommen war - und mein Herz vor allem diesen Zustand weiter schadlos überstanden hatte - das hatte ich meiner antrainierten Kondition zu verdanken. Durch diese war der Körper bestens vorbereitet um mit dieser ständigen Mangelversorgung auszukommen. Von nun an ging es immer weiter aufwärts...
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